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Vorsicht, Verklärung?!

 

28.08.2009, Berlin


Zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer sind die Deutschen in Ost und West von einem einheitlichen, generationenübergreifenden Geschichtsbild noch weit entfernt. Die Akion Gemeinsinn führte dazu eine Tagung mit Wissenschaftlern und Zeitzeugen in Berlin durch. Am 1. September 2009 veröffentlichte der General-Anzeiger hierzu den folgenden Artikel:


Eine Warnung vor der DDR-Verklärung
Die Bonner Initiative „Aktion Gemeinsinn“ lädt in Berlin zum Gespräch über die ehemalige Deutsche Demokratische Republik ein


Von Helmut Herles


Berlin. Wie ein Seismograph für den Zustand der Gesellschaft und deren notwendige Veränderungen, das war die „Aktion Gemeinsinn“ von Anfang an. Die älteste Bürgerinitiative der Bundesrepublik mit Sitz in Bonn wurde 1957 von Professor Carl-Christoph Schweitzer nach amerikanischem Vorbild gegründet.


Im Grunde erfüllt sie die Forderung des ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy, nicht zuerst zu fragen, was Dein Land für Dich, sondern was Du für Dein Land tun kannst. Und dies ehrenamtlich: Von „Essen auf Rädern“ und den „Grünen Damen“ in den Krankenhäusern über die Patientenverfügungen bis zur Hilfe für Opfer der DDR-Diktatur. Und um die ging es jetzt auf der Tagung „Vorsicht – Verklärung?!“ in der Europäischen Akademie in Berlin.


Dort trafen sich Zeitzeugen und Betroffene, Wissenschaftler und Journalisten zum Gespräch über die frühere DDR. Eine spannende Begegnung, wobei sich die Redner mit Ausnahme des früheren Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Reinhard Höppner, beim Titel der Veranstaltung für ein Ausrufezeichen hinter „Verklärung“ aussprachen.


Ein Impulsreferat zu „Recherchen zum Unrechtsstaat“ hielt die Bürgerrechtlerin und Rechtsanwältin Brigitta Kögler aus Jena in Thüringen. Gefolgt von einer Diskussion mit Reinhard Höppner, der auch Volkskammervizepräsident war und der nicht wegzudenken ist vom parlamentarischen Vollzug der Einheit: Er hatte auf dem Brocken im Harz an der früheren, nur unter Lebensgefahr erreichbaren Grenze Schwarz-Rot-Gold gehisst. Mit ihm auf dem Podium saßen die Professoren Eckhard Jesse (Chemnitz) und Eckart Klein (Potsdam).


Aufregend waren die Beiträge von DDR-Kennern und Journalisten wie Hannelore und Harald Kleinschmid und vor allem die Schilderungen von Opfern des SED-Staats:“Wir waren betroffen – und wie.“ Die Opfer sehen sich in der öffentlichen Meinung oft vernachlässigt und vergessen:“Ein ehemaliger Stasi-Täter hat es in der Regel immer noch besser als ein Stasi-Opfer, von den Renten bis zu den beruflichen Laufbahnen.“ Deshalb hoffen sie auf die Aufklärer wie Hubertus Knabe, Leiter der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen im vormaligen Kerker der Stasi-Diktatur der DDR.


Die Aktion Gemeinsinn wird nun die Kultusminister und die Lehrerfortbildung bitten, solche DDR-Zeugen in den Schulen anzuhören und bei keinem Berlin-Besuch die Stasi-Gedenkstätte in Hohenschönhausen und andere Zeugnisse der DDR-Diktatur zu vernachlässigen.


Nachfolgende (Informations-) Materialien zur Tagung stehen Ihnen hier als Download-Datei zur Verfügung:


- Tagungsprogramm (pdf)
- Begrüßungstext Dr. Cornelie Sonntag-Wolgast (pdf)
- Tagungsmaterialien "20 Jahre nach dem Mauerfall" (pdf)

- Tagung Berlin August 2009 (pdf)

 

 

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