"Mach Dich unsterblich. Werde Vater."
Warum die Aktion Gemeinsinn in ihrer Kampagne für mehr Familienfreundlichkeit gerade die Männer anspricht
Von Dr. Cornelie Sonntag-Wolgast, Vorsitzende der „AG"
Das Bild ist ungewöhnlich: Eine prominente Persönlichkeit steht im Hintergrund - den Vordergrund bildet ein älterer Herr, den Betrachtern in der Regel unbekannt. Er ist der Vater des „Promis". Die Aktion Gemeinsinn will damit den Menschen auf humorvolle Art vermitteln: „Schau Dir an, welche Freude Elternschaft bedeutet. Du hast sozusagen einen Schatz gehoben - und Du lebst weiter, über die eigene Existenz hinaus." Die Aktion Gemeinsinn freut sich, dass diese Idee mit Unterstützung der Agentur Scholz & Friends, des Fotografen Hans Starck und der BILD-Zeitung umgesetzt wird und dass Prominente dabei mitmachen!
Deutschland diskutiert seit Jahren über die „Alterspyramide", über sinkende Geburtenzahlen und die damit verbundenen Veränderungen unserer Gesellschaft und des sozialen Gefüges. Die „Aktion Gemeinsinn", die seit 1957 besteht und sich mit Fug und Recht als die älteste, überparteiliche Bürgerinitiative bezeichnen darf, will einen Beitrag für mehr Familienfreundlichkeit in unserem Land leisten. Denn die ist nicht allein durch Gesetze, durch den - natürlich begrüßenswerten - Ausbau der Kinderbetreuungs-Angebote, auch nicht allein durch das Elterngeld oder familienfreundliche Regelungen in der Arbeitswelt zu erreichen. Und weil die Männer bei der Abwägung des Für und Wider oft zögerlicher sind als die Frauen, sprechen wir gezielt die potenziellen Väter an. Gerade in der Gruppe der Hochqualifizierten, der Angehörigen anspruchsvoller Berufe ist der Zweifel an Sinn und Nutzen einer Familiengründung besonders ausgeprägt.
Hier Ausschnitte aus Briefen von Leserinnen zu einem Artikel im Magazin „Der Spiegel" über das Ringen um die Geburtenrate:
„Allmählich platzt mir der Kragen, wenn ich dauernd lesen muss, Akademikerinnen verweigerten die Fortpflanzung - so als könnten wir ohne Zutun eines Partners Kinder in die Welt setzen. Es sind in erster Linie nicht die Akademikerinnen, die sich mit der Elternrolle schwer identifizieren können, sondern die Akademiker", schreibt Daniela Vidic.
Und eine andere Leserin meint: „Ich gehöre zu den Frauen, die den Politikern so ein Rätsel sind: Akademikerin, 42 Jahre alt, kinderlos, Single. Dass ich kein Kind habe, ist nicht meine freie Entscheidung - ich bin darüber sehr traurig. Ich hatte einige mehrjährige Partnerschaften. Meine Partner wollten immer kein Kind, sie hatten panische Angst davor, dass ein Kind ‚alles kaputtmacht'."
Sicherlich, den umgekehrten Fall - Frau lehnt ab - gibt es auch. Aber seriöse Studien belegen schon, dass viele jüngere Männer die „Bremser" sind. Vermutlich auch aus Sorge um die berufliche Karriere. Oder um eine einschneidende Änderung der Lebensumstände...
Klar ist noch etwas: Familienpolitik kann die Geburtenrate nicht wesentlich beeinflussen. „Menschen kaufen vielleicht ein neues Auto, weil der Staat eine Abwrackprämie spendiert - aber sie bekommen keine Kinder, weil es sich finanziell lohnt", schrieb die „Süddeutsche Zeitung" kürzlich. Womit nichts gegen staatliche Hilfen bei der Vereinbarkeit von Erziehung und Erwerbsarbeit gesagt sein soll, im Gegenteil. Die sind dringend nötig. Aber es muss etwas dazu kommen: der Wille und die Bereitschaft, sich für Nachwuchs zu entscheiden, die Vorfreude aufs Vater-Sein.
Wie steht die Bundesrepublik da?
Die deutsche Geburtenrate ist in den siebziger Jahren deutlich gesunken. Seitdem liegt sie ziemlich konstant bei etwa 1,4 Kindern pro Frau (klingt schrecklich, ist aber so am kürzesten und prägnantesten beschrieben). Die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes bestätigen das für 2008; für 2009 wird sich daran nichts Wesentliches verändert haben. Die Rumänen bringen es nur auf 1,3 Kinder pro Frau, ähnlich niedrig sind die Zahlen in Polen, Portugal und Italien. Kein Anlass für uns zum Jubeln - jedoch ist Panikmache auch nicht angebracht.
Kriegen berufstätige Frauen weniger Kinder?
Stimmt nicht. In einigen Ländern mit hoher Erwerbsquote bei Frauen kommen gleichwohl mehr Kinder zur Welt. Das gilt zum Beispiel für Frankreich und die skandinavischen Länder. Dort ist allerdings auch die Angebotspalette an Krippen, Kindergärten und Horten reich.
Welche Rolle spielt die wirtschaftliche Lage?
Eine wichtige. Als zum Beispiel in Schweden 1973 das Elterngeld eingeführt wurde, hatte das zunächst keinen spürbaren Effekt. Die Ölkrise - und dadurch bedingt, wachsende Arbeitslosigkeit - beschäftigte die Menschen zu stark. Anders war es in Dänemark in den achtziger Jahren: Die ökonomischen Voraussetzungen waren komfortabel, das Grundgefühl bei Bürgerinnen und Bürgern signalisierte: Wir können es wagen, an Kinder zu denken. Die Statistik zeigte, dass das neue dänische Elterngeld dabei half, den Wunsch umzusetzen. Als wiederum in Deutschland nach der Wende die Bürgerinnen und Bürger der ehemaligen DDR tiefgreifende Änderungen erlebten, die bei aller Freude über die gewonnene Freiheit auch Arbeitslosigkeit und Zukunftsangst mit sich brachten, sanken dort die Geburtenzahlen deutlich. Inzwischen haben die ostdeutschen Frauen mit den westdeutschen wieder „gleichgezogen".
Woran hapert es?
Unsere Gesellschaft hat - aufgescheucht durch die Studien und Prognosen, die uns eine „Überalterung" in den kommenden Jahrzehnten in Aussicht stellen - manches dazugelernt. Zum Beispiel, wie man Eltern das alltägliche Leben erleichtert. Dass Mütter, die berufstätig sind, nicht mehr als „Rabenmütter" diffamiert werden. Dass Väter, die trotz hoher Anforderungen in der Firma sich dennoch intensiv um den Nachwuchs kümmern wollen, keine Nachteile zu befürchten haben. Dass Restaurantbesitzer Kinderstühle und Kinder-Menüs anbieten und Hotels Urlaub mit Kinderbetreuung organisieren.
Aber es kommt auch immer noch vor, dass die Einrichtung von Kitas oder Bolzplätzen Ärger und Proteste, zuweilen sogar Klagen der Anwohner nach sich zieht. Die Länder müssen sich bemühen, Lärmschutzbestimmungen kinderfreundlicher zu gestalten. Verbände wie der Kinderschutzbund und das Kinderhilfswerk, aber auch Parlamentarier quer durch die Parteien fordern mehr: nämlich die Aufnahme von Kinderrechten ins Grundgesetz. Viele Väter sind heute bereit, sich viel intensiver in die Betreuung ihrer Söhne und Töchter einzuklinken, als das noch vor einem Jahrzehnt der Fall war. Familienpolitiker sprechen von der Generation der „neuen Väter", die nicht nur Ernährer, sondern auch Erzieher sein wollen. Männer stellten im Jahr 2008 immerhin schon 15 Prozent der Elterngeld-Empfänger. Anderen fehlt der Mut zum „Wagnis Rollenwandel".
Und: Es klafft ein Widerspruch zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Die Zahl der Unternehmen, die beispielsweise für ein familienfreundliches Arbeitsklima in ihrem Betrieb werben, ist noch begrenzt. Aber es gibt doch schon etliche, die sich das Thema „Vereinbarkeit von Beruf und Familie" auf die Fahnen geschrieben haben. Eltern - insbesondere Väter - erwerben neue Fähigkeiten wie Chaosmanagement, Belastungsfähigkeit und Teamfähigkeit zu Hause und können solche Erfahrungen ins Unternehmen einbringen. Eine Tagung unter diesem Motto hat beispielsweise die Friedrich-Ebert-Stiftung vor einiger Zeit veranstaltet. Die Ergebnisse sind nachzulesen unter: www.fes.de/forumpug/inhalt/publikationen.php
Fazit: Familienpolitik wird längst nicht mehr unter „Gedöns" abgehakt, sondern ist ins Zentrum der politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung gerückt. Das lässt hoffen - und macht denen Mut, die bisher vielleicht gezögert haben, sich für Kinder zu entscheiden.
„Mach Dich unsterblich. Werde Vater."
Vorstellung von vier preisgekrönten Kurzfilmen
Vor allem die Männer machen von ihrem "Zeugungsverweigerungsrecht" Gebrauch und entscheiden sich immer häufiger gegen eine Familiengründung. So zeigt eine Untersuchung des Deutschen Jugendinstituts, dass für fast vierzig Prozent der befragten Männer zwischen 15 und 42 Jahren eine Vaterschaft zum Befragungszeitpunkt "sehr unangenehm" oder sogar "eine Katastrophe" wäre (Quelle: DJI, Thema 2008/11: Vater werden - (zwischen) Wunsch und Wirklichkeit).
Die Aktion Gemeinsinn nahm diese Situation zum Anlass, an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf" in Potsdam-Babelsberg einen Preis für die besten Kurzfilm-Exposés zu dem Motto „Mach Dich unsterblich - werde Vater!" auszuschreiben. 14 Arbeiten wurden von den Studierenden der HFF eingereicht. Eine Jury, bestehend aus Herrn Prof. Dieter Wiedemann, Prof. Wolfgang Tumler und der Drehbuchautorin Silke Kaiser seitens der Hochschule sowie Sebastian Gallander und Steffen Reiche MdB seitens der Aktion Gemeinsinn hat die besten vier ermittelt. Diese Gewinner erhielten alle die Zusage, dass ihre Ideen realisiert werden, und jeweils ein „Startgeld" von 500 Euro. Die Kurzfilme wurden anlässlich der Feier zum 50-jährigen Jubiläum der Aktion Gemeinsinn am 17. Oktober 2007 in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt und die Preisträger unter großem Beifall geehrt.
„Daddy uncool"
von Neelesha Barthel und Ruth Herzberg
Für den Spot wurden Männer zum Thema Kinder befragt: Hast du Kinder? Könntest du dir vorstellen, welche zu haben? Zu Beginn äußern sich die Männer haarsträubend ablehnend: „Um Gottes Willen!" - „Ist einfach nicht mein Lebensstil!" - „Meine Freiheit ist mir wichtiger!" Dann werden die Antworten differenzierter, Ängste und Sorgen der Männer werden deutlich: „Vernünftig Geld verdienen und dann Familie gründen." - „Ohne Ehe mach ich keine Kinder." - „Bin noch zu unreif, glaube ich." Am Ende des Spots runden positive Statements das Thema ab: „Kind zu haben ist Anschaffung fürs Leben." - „Für mich steht's auf der Liste des Lebens." - „Kinder geben Hoffnung für die Zukunft." Der Film endet mit der Aufforderung: „Mach Dich unsterblich. Werde Vater!"
„Das Rennen"
von Jan Fusek
Mit diesem Film wird der väterliche Sportsgeist angesprochen: Ein Autorennen zwischen zwei Männern, die sich mit ihren Autos an der roten Ampel treffen, nimmt eine plötzliche Wende. Einer der Fahrer bremst unerwartet ab, nimmt eine scharfe Kurve in die Einfahrt zum Krankenhaus und hilft seiner hochschwangeren Frau aus dem Auto. Der andere Fahrer blickt verwundert und fluchend in den Rückspiegel. Am Ende hält der frischgebackene Vater sein Kind in den Armen und die Sektkorken knallen wie nach einem gewonnenen Rennen.
„Sexy Daddy"
von Lena Kammermeier
Lena Kammermeier beweist in „Sexy Daddy", dass Väter eine schier unwiderstehliche Aura besitzen. Attraktive junge Väter wirken sehr anziehend auf Frauen, die sich bereit für Kinder fühlen, denen aber der passende und „willige" Mann fehlt. Es gibt also kaum ein verführerischeres „Accessoire" für einen Mann als ein kleines Kind. Das zeigt das Beispiel der beiden Freunde Felix und Kalle im Film. Obwohl Kalle mit seinen breiten Schultern, dem lässigen Gang und forschen Blick ganz dem weiblichen Beuteschema entspricht, zieht beim Spaziergang Vater Felix mit seiner kleinen schokoverschmierten Tochter alle Blicke auf sich. Da hilft Kalle nur „zu tun als ob ...".
„Wofür hast Du gekämpft?"
von Helga Löbel und Paul Schwarz
In dem Spot werden typische Situationen aus dem Leben eines Mannes gezeigt: der erste Kuss, Wutausbrüche, Kumpel- und Heldenhaftes, Siege und Niederlagen. Ein nochmaliger Schnelldurchlauf der Bilder suggeriert die Frage: Was nützt das alles, wenn die Erfahrung nicht weitergegeben wird? Deshalb der Aufruf: „Mach Dich unsterblich. Werde Vater!" Dagmar Reim, Intendantin des RBB, Berlin: „Ich finde (...) die Ideen der Spots „Vater werden ist nicht schwer" großartig."
Kinder sind kein Problem - schon gar kein unlösbares!
Hilfreiche Adressen zur ersten Orientierung:
Zu allen Fragen, die Sie hinsichtlich der finanziellen Unterstützung und Betreuung haben, sind grundsätzlich die Jugendämter vor Ort zuständig. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hat hierfür die Rahmenbedingungen geschaffen und gibt allgemeine Informationen:
Die Internetseite www.familien-wegweiser.de des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bietet Antworten zu allen möglichen, die Familie betreffenden Fragen vom Familienstart bis zur Pflege der Eltern.
- Für Väter besonders interessante Hinweise zu Elterngeld, Elternzeit und Arbeitszeitreduzierung findet man unter www.handbuch-kindertagespflege.de.
- Wegweiser zur Kindertagespflege:
1.1 Was leistet Kindertagespflege?
1.2 Gesetzliche Grundlagen
1.3 Formen der Kindertagespflege
1.4 Finanzierung der Kindertagespflege
1.5 Die Rolle des Jugendamtes
1.6 Ziele der Politik - Wissenswertes für Eltern:
2.1 Welche Leistungen können wir beanspruchen?
2.2 Kindertagespflege als haushaltsnaher Minijob
2.3 Worauf ist bei der Auswahl einer Tagesmutter zu achten?
2.4 Worauf ist beim Abschluss eines Betreuungsvertrages zu achten?
2.5 Ist unser Kind bei einem Unfall versichert?
2.6 Gewaltfreie Erziehung der Kinder
2.7 Checkliste für die Vorbereitung eines Beratungsgesprächs mit dem zuständigen Jugendamt
2.8 Checklisten
Unter www.Vorteil-Kinderbetreuung.de erhalten Sie einen Überblick über die vielfältigen Betreuungsangebote, die in Deutschland existieren. Ansprechpartner vor Ort sind ebenso zu finden wie Antworten zu finanziellen und rechtlichen Fragen sowie Informationen zum Ausbau der Kinderbetreuung. Auch die Suche nach lokalen Betreuungsangeboten ist möglich. Literaturhinweise und Linktipps bieten vertiefte Informationen.
Wie geht das vor Ort? - Praktische Tipps am Beispiel Bonn
Wie schon erwähnt, sind für die Durchführung der Unterstützungsmaßnahmen für Kinder und Familien die jeweiligen Jugendämter sowie gemeinnützige Einrichtungen freier Träger zuständig. In Bonn werden Sie gut beraten von Frau Hohmann, Familientelefon ( Tel. 774077), Bottlerplatz 1.
Einen ersten Überblick können Sie sich selbst über das Internet verschaffen: www.bonn.de aufrufen, in der Menüleiste „Familie & Gesellschaft" und dann bei den Angeboten links „Kindergarten & Co" anklicken. Hier erhalten Sie Informationen zur Tagespflege, Kindergartenplätzen und Elternbeiträgen.
Ebenfalls unter www.bonn.de finden Sie einen Ratgeber für Schwangere (liegt auch im Jugendamt mit allen Adressen aus, die Sie brauchen), wenn Sie unter Suchbegriff rechts oben „Ratgeber für Schwangere" eingeben. Hier finden Sie Hinweise auf die vielfältigen Unterstützungsmöglichkeiten. Unter www.netzwerk-kinderbetreuung-bonn.de sind alle Träger aufgelistet, die in Bonn Kinderbetreuung anbieten. Einer dieser Träger, der Caritasverband, hat auch ein spezielles Angebot für Väter: Bei www.esperanza-online.de finden Sie das allgemeine Angebot zur Schwangerenberatung. Wenn Sie bei Google den Suchbegriff „esperanza für Väter Bonn" eingeben, erscheinen die speziellen Angebote für Väter mit Adressen.
Sie sehen, Vatersein ist machbar!





