Werden Sie ein Geldverbesserer.
In Ihrem Euro steckt die Kraft der Veränderung!
Vorwort
Die Aktion Gemeinsinn fördert seit ihrer Gründung vor gut 50 Jahren das ehrenamtliche und zivilcouragierte Handeln sowie die staatsbürgerliche Verantwortung in Deutschland. Mit ihrer Kampagne zur Macht der Konsumenten will sie alle Bürgerinnen und Bürger dazu ermutigen, den großen Einfluss, den sie auf das wirtschaftliche, ökologische und soziale Geschehen ausüben können, ganz gezielt zu nutzen.
In der heutigen Globalisierung fügt jede Käuferin und jeder Käufer Steinchen in ein weltweites Mosaik ein, das entweder zu einem Gesamtbild nachhaltiger Entwicklung zusammenwächst oder eine überaus gefährdete Zukunft verheißt. Die Bürgerinnen und Bürger sollten sich der Macht, die sie mit ihren Kaufentscheidungen ausüben, bewusst sein. Wer sich mutig dazu entschließt, die politische und ökonomische Entwicklung in positiver Richtung mitzugestalten, stärkt die Gemeinschaft und das eigene Selbstwertgefühl.
Dr. Cornelie Sonntag-Wolgast,
Parl. Staatssekretärin a.D.
Vorstandsvorsitzende
Unsere Macht als Konsumenten
Was jeder Einzelne tun kann, um die Welt ein wenig zu verändern. Ob illegale Kinderarbeit, tierquälerische Massentierhaltung oder sklavenähnliche Arbeitsverhältnisse – die meisten Verbraucher haben dazu eine klare Meinung. Im Zusammenhang mit der eindeutigen Ablehnung tauchen aber schnell Fragen auf: Was kann man tun und kann ein Einzelner überhaupt etwas bewirken? Kein Grund zur Verzagtheit heißt die Antwort. Wird doch nichts angeboten, was nicht gekauft wird. Georg Abel über die Macht der Verbraucher.
„Jeder Jeck ist anders“ weiß der Rheinländer und er hat recht, denn den Verbraucher gibt es nicht. Konsumenten haben vielmehr individuelle Einkaufsgewohnheiten und betreiben ein persönliches Haushaltsmanagement. Dabei trifft man auf den „widersprüchlichen Verbraucher“, der zum Beispiel qualitätsbewusst zu Bioprodukten greift, aber auch klimaschädlich durch die Welt jettet.
Ob Zeit, Geld oder fehlendes Wissen – es gibt scheinbar viele Gründe, warum man nicht nachhaltig einkauft. Da wird die Verantwortung verschoben: Der Staat, die Unternehmen etc. sollen etwas ändern, sagen die Einen - und mogeln sich so aus der eigenen Zuständigkeit. Man sollte, müsste, könnte eigentlich schon anders, leider kann man als Einzelner aber wenig tun, sagen Andere - und verzichten so darauf, persönlich Einfluss zu nehmen. Natürlich geht es anders, sagen wir - und belegen dies mit nachstehenden Beispielen. Denn Verbraucher haben Macht. Sie können mit ihren Einkauf Einfluss nehmen. Konsumenten entscheiden mit, welche Produkte angeboten oder aufgelistet werden. Sie beeinflussen, welche Produktionsmethoden, Einkaufsorte oder Unternehmen mehr oder weniger angesagt sind. Diese Macht der Verbraucher ist angesichts stagnierender oder rückläufiger Umsätze in vielen Branchen gestiegen. Heute reicht schon eine kleine Gruppe entschlossener Verbraucher für eine Veränderung. Kein Grund also, darauf zu warten, dass Andere etwas Richtiges tun!
Viele Verbraucher wissen, der Preis ist nicht alles. Sparsamkeit ist sicherlich eine Tugend, Geiz dagegen nicht. Deshalb ist es clever, beim Einkauf nicht allein auf den Preis am Regal zu achten, sondern die gesamten Kosten zu berücksichtigen: Die Folgekosten bei Strom- und Wasserverbrauch übersteigen nämlich schnell den eingesparten Einkaufspreis. Eine längere Nutzungsdauer und die Reparierbarkeit sparen Geld, schonen die Ressourcen und nutzen der Umwelt. Wichtige Voraussetzung dafür ist eine anbieter-unabhängige Information.
In den letzten Jahren haben die Verbraucher den Umweltschutz neu entdeckt. Mehr denn je greifen Kunden zu Öko-Lebensmitteln und interessieren sich für das Energiesparen. Rainer Grieshammer (Öko-Institut) zeigt in seinem Buch „Klima-Knigge“, wie ein Durchschnittshaushalt bis zu 3.000 Euro sparen und damit Umwelt und Geldbeutel schonen kann.
Werte, Ethik und Moral sind heute wieder stärker gefragt! Die sozialen Rahmenbedingungen bei der Herstellung stoßen bei Verbrauchern auf stärkeres Interesse. Ob Textilien, Holzprodukte oder Spielzeug - Verbraucher interessieren sich zunehmend für die Produktion in unserer globalisierten Welt. Die Bereitschaft zu einem verantwortlichen Konsumstil hat Auswirkungen: Der Absatz von Bioprodukten im Lebensmittelbereich wächst kontinuierlich. Selbst die Discounter kommen nicht umhin, diese Produkte verstärkt anzubieten. Mehr Umsatz, mehr Produkte und Produktgruppen und mehr Einkaufsmöglichkeiten zeichnen auch den Fairen Handel aus. Die steigende Bereitschaft, den Strom- und Gasanbieter zu wechseln, hat nicht alleine mit der Preisentwicklung zu tun. Immer mehr Verbraucher berücksichtigen nämlich Ökostromangebote, setzen mit dem Wechsel ein Zeichen für eine transparente und nachhaltige Energiepolitik. Ob die stärkere Nutzung von Car-Sharing - ein „geteiltes“ Auto ersetzt durchschnittlich zehn private Fahrzeuge - oder die größere Nachfrage nach ethischen Geldanlagen – es gibt heute in vielen Bereichen Alternativen. Bio, fair & Co. sind dabei für immer mehr qualitätsbewusste Verbraucher werteorientierter Lifestyle, den man sich individuell nach seinem Lebensstil kaufen kann.
Die Unternehmen reagieren auf diese Nachfrageveränderung haben ihr soziales und ökologisches Handeln verbessert. Energieeffizienz, Klima- und Ressourcenschutz bringen nicht nur ökonomische Vorteile. Diese Maßnahmen tragen auch zu einer höheren Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit bei. Verbraucher wie Finanzinvestoren beobachten verstärkt das soziale und ökologische Verhalten eines Unternehmens und entscheiden, ob sie dort kaufen oder investieren wollen. Die Welt ein wenig zu verändern – das zeigen unsere Beispiele – ist gar nicht so schwer. Denn Verbraucher können sich beim Kauf von Produkten und Dienstleistungen positiv entscheiden: Für umweltfreundliche und gesundheitlich unbedenkliche Produkte. Für Klimaschutz und faire Arbeitsbedingungen. Nutzen Sie Ihren Einfluss und gestalten Sie die Welt von morgen nach Ihren persönlichen Vorstellungen mit: Geben Sie Ihrem Euro dazu eine Chance! Sie bekommen dafür Qualitätsprodukte - und das gute Gefühl, die Welt ein wenig verändert zu haben. Georg Abel arbeitet als Bundesgeschäftsführer bei der VERBRAUCHER INITIATIVE e.V., dem 1985 gegründeten Bundesverband kritischer Verbraucherinnen und Verbraucher. Informationen unter www.verbraucher.org.
Was können wir tun ?
Seien Sie ein „politischer Konsument“. Benutzen Sie Ihre Kaufentscheidung dazu, Einfluss auf bestimmte gesellschaftliche und politische Zustände zu nehmen; machen Sie Ihren Einkaufszettel zum Stimmzettel. Das können Sie durch den Kauf bzw. den Nichtkauf von bestimmten Produkten und Marken erreichen. Achten Sie dabei auf Qualität vor Preis, auf Ökologie, Nachhaltigkeit und soziale Kriterien. Voraussetzung für ein kluges Konsumentenverhalten ist immer eine gute und glaubwürdige Information.
Wie kann ich mich informieren?
Bier aus Belgien, Pullis aus Pakistan – es gibt heute alles. Der Konsument, oft hilflos angesichts der enormen Auswahl, ist dabei nicht nur Opfer. Verbraucher können ein breites Angebot an Informationen nutzen. So veröffentlichen STIFTUNG WARENTEST und ÖKO-TEST seit Jahrzehnten kompetente Testergebnisse, und unabhängige Verbraucherorganisationen bieten ein umfangreiches Beratungsangebot. Bei der Beurteilung von Zertifizierungen sollten Sie darauf achten, ob das Unternehmen selbst geprüft hat und nach welchen Kriterien (first-party certification), ob eine Branche oder ein Unternehmenszusammenschluss die Standards für alle Mitglieder gesetzt hat (second-party certification) oder ob eine unabhängige Zertifizierung von einer externen Organisation vorgenommen wurde (third-party certification).
In Hinblick auf die Vertrauenswürdigkeit ist es wichtig, auf das ethische Verhalten von Unternehmen zu achten. (Wird zum Beispiel mit „Geiz ist geil“ geworben?) Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und future e.V. zeichnet regelmäßig die aussagekräftigsten Nahhaltigkeitsberichte von Unternehmen aus. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung verleiht u. a. gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium und dem Bundesverband für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft (BWA) den Deutschen Nachhaltigkeitspreis. Hier werden das Nachhaltigkeitsmanagement entlang der Wertschöpfungskette und die Nachhaltigkeitskommunikation der teilnehmenden Unternehmen untersucht und bewertet. Branchen- und produktbezogene Label sind für Verbraucher eine leicht nutzbare Informationsmöglichkeit. Sie bieten Konsumenten sozusagen den „schnellen Rat“. Hier ist grundsätzlich zwischen zwei Gruppen zu unterscheiden: den Umweltsiegeln, die bereits sehr ausgereift sind, und den Sozialsiegeln, die noch weiter entwickelt werden müssen. Leider entwertet die Labelflut der über 1.000 Gütezeichen ihre Wirkung. Gefragt ist daher für Verbraucher ein Basiswissen von wenigen Zeichen. Hier finden Sie die wichtigsten:
FairTrade-Siegel
Das „FairTrade-Siegel“ kennzeichnet fair gehandelte Produkte (Lebensmittel, Kleidung, andere Artikel). Die Zahlung von Mindestpreisen, die über dem Weltmarktniveau liegen, Vorfinanzierung, langfristige Lieferbeziehungen und das Verbot illegaler Kinderarbeit sind einige der Siegelkriterien. Die gut 800 Produkte finden Sie in über 30.000 Lebensmittelgeschäften und 800 Weltläden, vereinzelt auch noch Dritte-Welt-Läden genannt. Auch immer mehr gastronomische Betriebe bieten diese Produkte an.
Bio-Siegel
Das „Bio-Siegel“ garantiert die Herkunft von Lebensmitteln aus kontrolliert ökologischer Landwirtschaft nach den Bestimmungen der EG-Bio-Verordnung. Das staatliche Zeichen finden Sie auf über 50.000 Produkten von fast 3.000 Unternehmen.
Bioland-, Demeter- und Naturland-Siegel
Die Siegel der Anbauverbände Bioland, Demeter und Naturland gehen über das Bio-Siegel hinaus. Naturland verlangt die Erfüllung weiterer Kriterien, z.B. die Gesamtumstellung des Betriebes, eine Begrenzung der Gesamtdüngemenge, Bindung an selbst produziertes Futter (mindestens 50%) und einen niedrigeren Tierbesatz pro Hektar.
Marine Stewardship Council-Siegel
Das Logo des Marine Steward Ship Council steht für nachhaltige Fischerei. Einen Einkaufsführer, der gefährdete Fischarten aufführt, finden Sie im Internet unter www.wwf.de Fair Stone-Siegel Das Fair Stone Siegel für Natursteine ist das erste „professionelle Sozialsiegel“. Die Sozialstandards wurden gemeinsam mit der Steinbruch- Berufsgenossenschaft in China entwickelt und bieten einen wirksamen Gesundheitsschutz für einen der gefährlichsten Berufe.
Blaue Engel-Siegel
Der „Blaue Engel“ steht für umweltfreundlich, energieeffzient und emissionsarm. Seit 1978 beschließt eine unabhängige Jury nach genau definierten Kriterien die Maßstäbe für umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen. Heute finden Sie das weltweit erste und älteste Umweltzeichen auf über 10.000 Produkte in 80 Produktgruppe.
Öko-Tex-Siegel
Für Kleidung gibt es die Label Öko-Tex Standard 100 und Öko-Tex Standard 100plus.
Flower-Siegel
Das Blumengütesiegel (Flower Label Program) sichert die Einhaltung strenger Standards bei der Produktion von Schnittblumen zu (Sozialstandards, verantwortlicher Umgang mit Pestiziden und Chemikalien, Umweltschutz etc.).
FSC- und Naturland- Siegel
Das FSC-Siegel des Forest Steward Ship Council ist nach Aussage führender Umweltverbände das weltweit einzige glaubwürdige Holzzertifizierungssystem. Eine nachhaltige Forstwirtschaft (möglichst geringer Maschineneinsatz bei der Ernte, Wiederaufforstung an gleicher Stelle) ist dabei ebenso berücksichtigt wie z.B. der Verzicht auf Pestizide. In Deutschland schneidet auch das Siegel Naturland, anerkannt ökologische Waldnutzung (Label s. o.) sehr gut ab.
Grüner Strom-Siegel
Das Grüner Strom Label verspricht nicht nur Strom zu 100% aus erneuerbaren Energien, sondern auch die Förderung neuer Anlagen. Das ist nicht bei allen Ökostromanbietern der Fall. RECS-Zertifikate (Renewable Energy Certificates System – ein europäisches Handelssystem für Ökostromzertifikate) besagen z.B. lediglich, dass eine bestimmte Menge Ökostrom in das Stromnetz eingespeist wurde. Mit dem Kauf von Ökostrom geben Sie allerdings in jedem Fall ein politisches Signal für die Nutzung erneuerbarer Energien.
Nicht nur im Lebensmittelbereich gibt es nützliche Gütezeichen. Wenn Sie mehr wissen wollen, können Sie die kostenlose Datenbank www.labelonline. de nutzen, die über 350 Zeichen bewertet hat.
Kurz & Knapp
Als kritischer Konsument sollten Sie sich von folgenden Überlegungen leiten lassen:
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Wurde das Produkt umweltschonend und sozialverträglich hergestellt?
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Wie groß ist die Transportbelastung?
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Gibt es eine näher gelegene Einkaufsmöglichkeit oder alternative Verkehrsmittel?
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Wie langlebig oder ergiebig ist das Produkt?
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Wie energieeffizient ist das Produkt (Herstellung und Nutzung)?
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Gibt es Alternativen (z. B. auch Secondhand-Waren)?
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Wie hoch ist die Belastung durch Verpackungsmüll (30% des privaten Hausmülls entfallen auf Verpackungen)?
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Ist die Verpackung recyclebar?
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Wie umwelt- und sozialverträglich sind die Einzelhandelskonzerne, bei denen Sie einkaufen?
Die oben gegebenen Informationen können nur eine erste Hilfe durch den Dschungel von Labeln, Richtlinien und Beurteilungen sein.
Weiterführende Informationen - darunter auch eine Vielzahl interessanter Literaturhinweise - haben wir daher in unserer "Geldverbesserer"-Broschüre zusammengestellt. Diese können Sie entweder hier als pdf-Datei herunterladen, oder auch in Papierform kostenlos in der AG Geschäftstelle anfordern, indem Sie uns unter dem Stichwort "Geldverbesserer" 1,45 Euro in Briefmarken zusenden.




